Sommeruniversität

5. Deutsch-französische Sommeruniversität Saarbrücken-Nantes 2011

H2O: Wasser, Leben, Erleben – eau, source, ressource

Bereits zum 5. Mal in Folge veranstalten das Frankreichzentrum und das Centre Culturel Franco-Allemand de Nantes (CCFA) eine deutsch-französische Sommeruniversität, die vom 23. bis zum 31. August 2011 in den Partnerstädten Saarbrücken und Nantes stattfindet.

Thematisch widmet sich die Sommeruniversität der Bedeutung des Wassers für eine nachhaltige Entwicklung. Ein vielfältiges Angebot an Vorträgen, Seminaren und Workshops bietet den Teilnehmenden die Gelegenheit, das Thema Wasser an der Schnittstelle unterschiedlicher Disziplinen zu erkunden – vom Städtebau über Kunst und Kommunikation bis hin zu Umweltwissenschaft und Ökotechnologie.

Nicht zuletzt ist die deutsch-französische Sommeruniversität die einmalige Gelegenheit, die Partnerstädte Nantes und Saarbrücken näher kennen zu lernen. Die Sommeruniversität versteht sich als deutsch-französisches Forum mit dem Ziel einer lebendigen Auseinandersetzung und Diskussion über ein gesellschaftlich relevantes Thema sowie der Steigerung der wissenschaftlichen und kulturellen Mobilität im deutsch-französischen Raum.



Öffentliche Vorträge im Rahmen des Programms in Saarbrücken:

Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten: fz (at) mx.uni-saarland.de


Natur und Stadt – Hybridität und Nachhaltigkeit

Prof. Dr. Dr. Olaf Kühne, Universität des Saarlandes
24.08.2011, 10.15–11.45 Uhr, Universität des Saarlandes, Campus A2 2, R. 1.20

Der Vortrag behandelt die Frage der sozialen Konstruktion und Bewertung von Objekten inder Stadt, die als natürlich wahrgenommen werden. Dabei wird Natur ambivalent besetzt. Natur beschreibt „das Ursprüngliche und Gute […], das im Gegensatz zu Gesellschaft als dem Künstlichen und gar Zerstörenden steht“. Gleichwohl ist Natur aber auch das „Wilde und Bedrohliche, das zum Schutz der Gesellschaft gezähmt wird“ (Groß 2006). Natur ist in domestizierter Form (z. B. als Park), aber auch in wenig domestizierter Form (z. B. Ruderalvegetation) in der Stadt anzutreffen. Die wenig domestizierte Form wird häufig im „Niemandsland“ (Burckhardt 1980) angetroffen, einem „Leerraum zwischen dem Stadtkörper und seinem zu groß geschneiderten Planungsanzug“. Hier tritt sie insbesondere auf Flächen auf, die zwar zur Nutzung vorgesehen sind, aber noch nicht genutzt werden, oder sie erscheint dort, wo die Nutzung bis hin zur Aufgabe extensiviert ist (vgl. Burkholder 2010). Gerade die nicht domestizierte Natur widerspricht dem ästhetischen Schema der Moderne. Die Moderne geht von einem Gegensatz von Hochkultur und Trivialkultur aus, der sich in eine Reihe sich ausschließender fundamentaler Gegensätze, wie jene von männlich und weiblich, von Natur und Kultur, Zivilisation und Kultur, Stadt und Landschaft, eingliedert (vgl. Fuller 1992). Postmoderne Ästhetik hingegen hinterfragt diese Dichotomien (Sloterdijk 1987 und 1988). Damit kommt sie auch zu einer tolerierenden Bewertung von undomestizierter Natur in der Stadt.

Der Vortrag gliedert sich folgendermaßen:
1. Reflexionen zum Thema soziale Konstruktion von Natur und Stadt
2. Betrachtung unterschiedlicher Erscheinungsformen von Natur in der Stadt
3. Grundzüge moderner und postmoderner Ästhetik
4. Die Beurteilung städtischer Natur vor dem Hintergrund moderner und postmoderner Ästhetik
5. Konsequenzen für die Planungspraxis
6. Fazit

Der Vortrag basiert auf einer sozialkonstruktivistischen Perspektive (vgl. Kühne 2008) und subjektorientierten Herangehensweise der philosophischen Ästhetik (Croce 1995). Zusätzlich wird auch auf sozialwissenschaftlich-empirische Untersuchungen zurückgegriffen (Kühne 2006). Dabei fließen Erfahrungen des Autors (als Leiter der Landesplanung in einem deutschen Bundesland) mit zahlreichen Projekten der Landschaftsplanung in den Vortrag ein (Hartz/Kühne 2010).


Kultur und Klimawandel – Der Blick der Künstler auf die Ressource Wasser
Dr. Andrea Zell, Goethe-Institut München
24.08.2011, 19.00–20.30 Uhr, Theaterschiff Maria-Helena, Saarbrücken

Der Vortrag wird zunächst allgemein der Frage nachgehen, was Kunst und Nachhaltigkeit verbindet. Wie können sich Fragestellungen zu Klimawandel und Nachhaltigkeit innerhalb der Kultur und konkret innerhalb einer Kulturinstitution entwickeln und etablieren? Wie kam es denn dazu, dass sich das Goethe-Institut damit befasst? Thomas Macho, Professor für Kulturgeschichte, bringt diese Verbindung auf die Formel „Klimawandel ist Kulturwandel und umgekehrt“.

Vor diesem Hintergrund werden künstlerische Positionen zur Ressource Wasser genauer unter die Lupe genommen. Welche Herangehensweisen, welche Fragestellungen und welche Themen greifen sie bei der künstlerischen Erforschung des Wassers auf? Hierbei werden einzelne Kunstwerke im Zentrum stehen und unterschiedliche Betrachtungsweisen der Ressource Wasser vertieft. Abschließend soll beleuchtet werden, was Kunst in diesem Feld leisten kann. Dabei wird zu berücksichtigen sein, dass einerseits manche Kunstwerke gezielt mit einer sozialen Funktion ausgestattet werden, andererseits aber auch die Kunst Gefahr laufen kann, für politische oder ideologische Zwecke instrumentalisiert zu werden.


Nachhaltigkeitskommunikation
Prof. Dr. Petra Schweizer-Ries, Universität des Saarlandes; Eva Wessela, Europäische Akademie Otzenhausen
25.08.2011, 9.30–11.00 Uhr, Universität des Saarlandes, Campus A2 2, R. 1.20

„Alles ist Kommunikation“ schreibt Luhmann (1990), und Watzlawik et al (2011) erklären: „Man kann nicht nicht-kommunizieren“. Wir konstruieren unsere Welt durch kommunikative Prozesse und wir verändern die Welt durch diese. Daher bildet Kommunikation den zentralen Ansatz für Veränderungsprozesse, die für eine nachhaltige Entwicklung dringend benötigt werden. Es geht um Umdenken und Umlenken (Schweizer-Ries, 2008), so auch im Wasserbereich. Wie nehmen wir Wasser wahr, wo schützen und wo verschmutzen wir sauberes Trinkwasser, wann wird es uns gefährlich und wie schützen wir uns vor Überschwemmung und Kontamination? Uns geht es dabei um die Kommunikationsprozesse und die Anregung und Begleitung einer nachhaltigen Entwicklung u. a. in unserem Umgang mit Wasser.

Der Beitrag wird darauf eingehen, wie wir über nachhaltigkeitsrelevante Themen, hier Wasser, sprechen und wie wir so über diese Themen sprechen, dass es zum Anregen von Handlungen führt, die eine nachhaltige Wassernutzung ermöglichen und umsetzen. Wir werden uns dabei auf die Kommunikationsprozesse konzentrieren und aufzeigen, wie eine Nachhaltigkeitskommunikation aufgebaut sein sollte, um dieses Ziel zu erreichen.


Grenzüberschreitende Hochwasserpartnerschaften im Einzugsgebiet von Mosel und Saar
Christof Kinsinger, Internationale Kommissionen zum Schutze der Mosel und der Saar
26.08.2011, 9.30–11.00 Uhr,  Universität des Saarlandes, Campus A2 2, R. 1.20

Das Internationale Betreuungszentrum für Hochwasserpartnerschaften wurde im Juni 2009 eingerichtet. Als Bestandteil im INTERREG IV-A Projekt „FLOW MS“ – Hoch- und Niedrigwassermanagement im Einzugsgebiet von Mosel und Saar – sollen mit seiner Unterstützung nationale und internationale Hochwasserpartnerschaften gegründet, unterstützt und beraten werden. Im Zentrum stehen dabei die Möglichkeiten der Gefahrenabwehr und Hochwasservorsorge der Städte und Gemeinden. Bis August 2011 haben sechs Hochwasserpartnerschaften ihre Arbeit aufgenommen, weitere sollen noch 2011/12 gegründet werden. Die erste transnationale Hochwasserpartnerschaft wurde im Dezember 2009 am Unterlauf des deutsch-französischen Grenzflusses Blies gegründet. In Informationsveranstaltungen und Workshops erfolgte ein Erfahrungs- und Wissensaustausch, erste konkrete Ergebnisse wurden erarbeitet und Kooperationen vereinbart. Die Schritte bis zur Gründung, die Festlegung der Ziele und die Arbeitsschwerpunkte der Partnerschaften sind  von unterschiedlichen nationalen, regionalen und lokalen Voraussetzungen geprägt.


Wir danken unseren Partnern:

Deutsch-Französische Hochschule, Deutsch-Französisches Jugendwerk, Europäische Akademie Otzenhausen, Goethe-Institut, Landeshauptstadt Saarbrücken, Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft des Saarlandes; Maison de l'Europe à Nantes, Université de Nantes, Ville de Nantes.