|
Übergabe der Serra-Skulptur auf dem Campus der Saar-Uni
Seit Monaten steht sie ohne höheren Segen da und hat dennoch den Streit um sie gut ertragen, wenn auch durch Sprayer-Sprüche befleckt: Richard Serras monumentale Plastik "Torque" auf dem Campus der Saar-Universität. Doch gestern sprachen auch Ministerpräsident, Universitätspräsident, der Künstler selbst und der Museumsdirektor ihre Worte, und somit ist die Skulptur von Amts wegen endgültig der Öffentlichkeit übergeben.
Es war freilich kein harmonisch ungestörter Akt, denn die Vertretung der Studenten machte ihrem Unmut darüber Luft daß der Senat soeben den studentischen Hilfskräften den sogenannten B-Tarif gestrichen hat und ein eigenes Modell der Studenten ignoriert. Sie verlas einen offenen Brief an Ministerpräsident und Wissenschaftsminister.
Oskar Lafontaine freute sich über die gemischte Zusammensetzung der Zuhörer - denn gerade sie spiegele die Konflikte in der Gesellschaft wider. Und werfe die Frage nach der Rolle der Kunst im öffentlichen Leben auf. Der Ministerpräsident bekannte sich zu einem klaren und wiederholten Ja zur Kunst, die auch bei knappen Kassen im öffentlichen Raum angeboten werden müsse. Es wäre "die verkehrteste Antwort" auf die wirtschsftlichen Probleme, die Kunst hierüber zu vernachlässigen, sagte Lafontaine. Immer wieder werde er sich gegen eine solche Konsequenz stellen.
Unterdrückung in den USA
Richard Serra selbst, der amerikanische Bildhauer, forderte zu Dialog, zu Disput auf - und dies auf dem Hintergrund der deprimierenden geistigen Situation in den USA: Er sprach von der Unterdrückung geistiger Provokation dort, von Zensur in öffentlichen Bibliotheken, in denen, ein Beispiel nur, etwa Faulkner verboten werde. Und von Maßnahmen gegen Homosexuelle im öffentlichen Dienst, so in Oregon.
Zu Beginn hatte Universitätspräsident Günther Hönn schon um Verständnis dafür gebeten, daß aufgrund der finanziellen Probleme der Uni Serras Skulptur nicht nur Freude ausgelöst habe - sie bleibe ein Stück Provokation, die zu Serra gehöre. Die Anwesenheit der politischen Spitze nahm er als Zeichen, daá sie hinter der Universität stehe.
Ernst-Gerhard Güse, Direktor des Saarland Museums, wies nochmal auf die künstlerische Qualität der Skulptur hin.
ug Saabrücker Zeitung, 11.9.1992
|